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Mehr Beziehung wagen.


Peer-Lerngruppen sind gefragt - Personal- und Organisationsentwicklung kann den Beziehungsaufbau noch besser unterstützen


Die psychologische Vermessung des Menschen hat mit dem Ausbau digitaler Formate eine neue Qualität erreicht. Mit aktuellen Tests und digitalen Auswertungsmethoden lassen sich individuelle Profile und darauf aufbauend individuelle Qualifizierungsbedarf immer besser bestimmen. Auf diese Weise können „passgenaue Module“ zusammengestellt und „individuelle Entwicklungspfade“ geplant werden. So weit, so gut.


Kollaboration und Konfliktfähigkeit lebt in belastbaren Beziehungen

Mit Sicherheit sind diese Aspekte wertvoll und eröffnen bereichernde Lernwege, die an den vitalen Interessen der Personen ansetzen und damit lernfördernd wirken. Auf der Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich, dass der Beziehungsaufbau im Format kontinuierlicher und gemeinsamer Lernerfahrungen abnimmt. Der Fokus auf die Einzelperson verführt in eine Entwicklungsplanung, die einen belastbaren Beziehungsaufbau in Teams oder cross-funktionalen Lernarrangements mitunter beschränkt. Gleichzeitig sind zentrale Softskills in der modernen Arbeitswelt beschrieben mit den Stichworten: Kommunikation, Kooperation, Kollaboration und Konfliktfähigkeit. Diese lassen sich aber tatsächlich nicht alleine und nur beschränkt in zeitlich befristeten Lernarrangements einüben. Individuelle Onlinetrainings fördern bestimmt den Wissensaufbau zu diesen Anforderungen – allerdings bestimmt nicht die Handlungskompetenz im Alltag. Inselerfahrungen in Workshops oder Teamtrainings sind hilfreiche Förderer, erscheinen aber vielfach zu kurz, um belastbare Beziehungen und damit verknüpfte Intensitäten der Lernerfahrung zu ermöglichen.


Resonante Beziehungserfahrungen brauchen Kontinuität und Zeit

Belastbare Beziehungen gehen über eine momenthafte Verbindung von Menschen hinaus. Hartmut Rosa (2019) formuliert dafür den Anspruch einer „Resonanzsensibilität“ der beteiligten Personen. Diese „braucht immer Zeit zur Entfaltung“, weil sie mehr als eine verdinglichte „Verwendung des anderen“ ist und auch mehr als die wechselseitige „Anerkennung der Persönlichkeit“ darstellt. In einer resonanten Beziehung, treten wir in einen umfassenden Kontakt mit den differenzierten Eigenarten der anderen Person (oder Personen). Wir lernen uns wechselseitig kennen, mit unseren Charismen, aber auch mit unseren „Haken und Ösen“. Wir lernen uns aushalten und schätzen, sogar über Konflikte und Auseinandersetzungen hinweg. Wir erleben dabei unkontrollierte Momente und werden von den unbekannten Seiten der anderen überrascht. Wir klären darin auch, wo wir uns auf der „Werteebene“ begegnen können und wie weit wir uns nahekommen wollen. Wir checken uns in diesem Prozess nicht nur kognitiv ab, sondern entwickeln ein auch körperlich wahrnehmbares Gespür füreinander. In solchen Beziehungen sind nicht nur Kommunikation und Kooperation sondern auch Kollaboration und Konflikte möglich. Hier öffnen wir uns in einer Weise, dass sich neue Lernerfahrungen wirklich gut verankern können. Hier leben und arbeiten wir gerne, auch wenn die Situationen und Umstände herausfordernd sind.



Peer-Lerngruppen als beziehungsbasiertes Lernarrangement

Im Bereich der Personal- Organisationsentwicklung eröffnen orchestrierte Peer-Learnings wie Working-Out-Loud, LernOS oder die neu entwickelten Lernreisen der Lernwelt Designstudios eine Entwicklung von Softskills, die im Rahmen eines vertieften Beziehungsgeschehens eingebettet sind. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen erarbeiten sich selbstorganisierte Circles von 5 Personen, an einem ausformulierten Guide mit kleinen Einheiten von 1,5 Stunden die Inhalte und lernen sich zunehmend besser kennen. Die neu eingeführte „Lernreise New Work Mindset“ der Lernwelt Designstudios zeigt dabei, wie ein gutes Storytelling die Teilnehmenden immer mehr zusammen und in Austausch bringt. Hilfreich sind dabei eine qualifizierte Einführung und situative Begleitung der Lerngruppen durch erfahrene Coaches. Natürlich kann auch in einem solchen Arrangement „Resonanz“ nicht von außen erzwungen werden. Allerdings gewährleistet die mehrwöchige kontinuierliche Lernreise zumindest bedeutende Voraussetzungen zu deren Entfaltung. Sie sind das passende Format, um auch in den Prozessen der Personal- und Organisationsentwicklung wieder mehr Beziehung zu wagen – und so die Lernentwicklungen im Bereich der Softskills nachhaltig zu steigern.


Bild von Tung Lam auf Pixabay

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